Peter Steinhauser verstarb völlig unerwartet am 7. August des Jahres. Er hat wesentliche Akzente zur Erforschung des Schwerefeldes in Österreich gesetzt und als einer der Ersten auf die Bedeutung einer gleichmäßigen Stationsüberdeckung hingewiesen, besonders im Hinblick auf die raue Topografie und die komplexen geologischen Verhältnisse junger Orogene. Seiner Initiative ist die systematische gravimetrische Vermessung in Österreich zu verdanken. Aufbauend auf den bereits vorhanden profilmäßigen Daten der 1960er Jahre hat diese in Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Partnern schließlich zu einer modernen Schwerekarte geführt, die den hohen Ansprüchen heutiger Lithosphärenforschung voll genügt und darüber hinaus wesentlich zur Bestimmung eines hochgenauen Geoids in Österreich beigetragen hat. Mit der Idee regelmäßiger Tagungen zur Gravimetrie im Alpenraum, die er 1977 ins Leben gerufen hat, leistete er einen wichtigen Beitrag zur nationalen und internationalen Forschungskooperation. Die sogenannten Alpengravimetrie-Kolloquien förderten die interdisziplinäre wissenschaftliche Diskussion mit den Nachbardisziplinen der Geodäsie und der Erdwissenschaften, weit über die Geophysik im engeren Sinn hinaus.

Sein wissenschaftliches Forschungsspektrum war jedoch keineswegs nur auf das Schwerefeld der Erde beschränkt, sondern breit gestreut. Am Beginn seiner Laufbahn standen Untersuchungen zum Einfluss der Sonnenaktivität auf kurzfristige Variationen des erdmagnetischen Feldes sowie Arbeiten zu paläomagnetischen Fragestellungen im Vordergrund, mit dem Aufbau eines paläomagnetischen Labors, das später in das österreichische Labor für Gesteins-und Paläomagnetik in Gams integriert wurde. Seine Arbeiten zur Gesteinsphysik trugen wesentlich zur flächenmäßigen Erfassung der Dichteverteilung von Oberflächengesteinen in Österreich bei. Andere Publikationen befassten sich mit der seismischen Erkundung der Mächtigkeit österreichischer Gletscher und übertiefter Alpentäler.

Die Würdigung seiner wissenschaftlichen Leistung wäre gewiss unvollständig, wenn man nicht seine Beiträge zur Lösung Umwelt-geophysikalischer Probleme beleuchten würde, die von weitreichender technischer und gesellschaftlicher Relevanz sind. Die Prognose von Erschütterungen, einer Voraussetzung zur Planung technischer Konzepte zur Reduktion von Erschütterungsimmissionen, ist nur ein Beispiel, das schließlich in Zusammenarbeit mit der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik zur Entwicklung eines Prognoseverfahrens (VibroScan®) auf der Basis eines hydraulischen Schwingungsgenerators führte. Diese Methode zur Simulation von Erschütterungen ermöglicht eine genaue Prognose von Erschütterungsimmissionen und wird weltweit erfolgreich im Hoch- und Tiefbau angewandt.

Anerkennend müssen aber auch seine Leistungen als Universitätsprofessor an der Universität Wien Erwähnung finden sowie seine vielfachen organisatorischen Dienste innerhalb der Universität, insbesondere aber sein Dienst als langjähriger Direktor der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien, die er von 1985 bis 2004 geleitet haben und die ihm wichtige und zukunftsträchtige Weichenstellungen zu verdanken hat.

Er war korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

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Verfasst von Bruno Meurers und Wolfgang Lenhardt