Gemeinsame Jahrestagung der Geophysiker in Leoben

250 österreichische, deutsche und internationale Geophysiker trafen sich vom 12.-15. Februar 2018 zur gemeinsamen Jahrestagung der Deutschen und Österreichischen Geophysikalischen Gesellschaften an der Montanuniversität Leoben.

Etwa 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem In- und Ausland, darunter mehr als ein Drittel Studierende, kamen zur 78. Jahrestagung der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft (DGG), die diesmal gemeinsam mit der Austrian Geophysical Society (AGS) an der Montanuniversität Leoben abgehalten wurde. Vertreten waren auch 20 Aussteller, darunter drei Leobener Firmen, die Messgeräte, Software oder Dienstleistungen im Geobereich anbieten.

Eröffnet wurde die Tagung mit einer feierlichen Veranstaltung von DGG-Präsident Dr. Christian Bücker. „Mit der gemeinsamen Ausrichtung der Tagung wollen unsere beiden Gesellschaften in besonderem Maße ihr Interesse an internationalem Austausch und Zusammenarbeit zum Ausdruck bringen. Uns verbinden vielfache gemeinsame Forschungsinteressen und Themen von gesellschaftlicher Relevanz. Diese reichen von der alpinen Gebirgsbildung über die Rohstoffexploration bis zur Ingenieurgeophysik, die im Tunnelbau und Bergbau einen besonderen Stellenwert einnimmt.“ Die Montanuniversität Leoben sei somit hervorragend als Tagungsort geeignet, da montanistische Studiengänge hier auf eine lange Tradition zurückblicken. Auf der Eröffnungsveranstaltung verlieh Christian Bücker den begehrten Karl-Zoeppritz-Preis an Frau Dr. Jana Börner von der TU Bergakademie Freiberg. Frau Dr. Ellen Gottschämmer vom Karlsruher Institut für Technologie erhielt den Preis für herausragende Lehre. Für die AGS begrüßte Prof. Lenhardt von der ZAMG die Teilnehmer. Musikalisch umrahmt wurde die Eröffnungsveranstaltung vom Grazer Duo Tubonica.

Die Auswahl der Schwerpunktthemen der Tagung reflektierte das breite Spektrum der geophysikalischen Forschung in Österreich und in Leoben. Behandelt wurden angewandte Verfahren zur Erkundung des flachen Untergrunds, unter anderem zur Prospektion archäologischer Bodendenkmäler, zur Charakterisierung von Böden in der Landwirtschaft, zur Untersuchung von Schadstoffbelastungen, oder für geotechnisch relevante Fragen im Zusammenhang mit Bauvorhaben. Auch der tiefere Untergrund, sein Rohstoffpotential und Verfahren zu dessen Erschließung spielten auf der Tagung eine wichtige Rolle. Die Montanuniversität Leoben mit ihrem Lehrstuhl für angewandte Geophysik übt national wie international eine große Anziehungskraft insbesondere auch auf Ingenieurgeophysiker aus. Dazu trägt nicht nur die enge Anknüpfung der Geophysik an die Montangeologie bei, sondern auch die Infrastruktur mit dem Petrophysiklabor und dem 1979 eingerichteten Paläomagnetiklabor Gams als Außenstelle des Institutes für Geophysik.

„Die geophysikalische Jahrestagung bietet auch unserem Nachwuchs eine sehr gute Gelegenheit, um die eigenen wissenschaftlichen Resultate einer großen Fachgruppe zu präsentieren und zugleich wichtige Kontakte in den Gesellschaften zu knüpfen. Zudem freuen wir uns sehr, erstmalig auf einer Jahrestagung eine kostenlose Kinderbetreuung anbieten zu können und somit jungen Eltern die Teilnahme an den wissenschaftlichen Vorträgen zu vereinfachen“, sagt Tagungsleiter Professor Florian Bleibinhaus. „Wir haben aber auch die Öffentlichkeit in Leoben im Blick“. Auf dem tradi¬tionellen öffentlichen Abendvortrag stellte der Leiter des Wiener Ludwig-Boltzmann-Institutes für archäologische Prospektion und virtuelle Archäologie, Professor Wolfgang Neubauer, die neuesten archäologischen Entdeckungen in Stonehenge vor. Mit der Entwicklung und dem Einsatz von besonders schnellen Messgeräten zur geophysikalischen Erkundung des Untergrunds hat seine Arbeitsgruppe neue Maßstäbe in der Kartierung von Bodendenkmälern gesetzt und neue Entdeckungen gemacht.

Im Anschluss an die Tagung fand am Freitag ein internationaler Workshop der DGG und der European Association of Geoscientists and Engineers (EAGE) zum Thema "Geophysics in Mining and Tunneling" statt. Hier standen technische Herausforderungen im Tunnel- und Bergbau im Mittelpunkt, insbesondere Überwachungstechnologien zur Minimierung möglicher Risiken.

Ansprechpartner:

Die Deutsche Geophysikalische Gesellschaft (DGG) wurde 1922 von einer Gruppe von Wissenschaftlern um den Seismologen Emil Wiechert in Leipzig gegründet. Sie hat heute rund 1200 Mitglieder in über 30 Ländern weltweit. Amtierender Präsident der DGG ist der Hamburger Geophysiker Christian Bücker (DEA Hamburg). Seit 1998 unterhält die DGG ihre Geschäftsstelle am GFZ.

Die Österreichische Geophysikalische Gesellschaft – Austrian Geophysical Society (AGS) wurde 2008 von Rudolf Michlmayr und Marc-Andreas Merz gegründet und umfasst derzeit 130 Mitglieder aus 8 Ländern. Ihr Ziel ist die Verbreitung geophysikalischen Wissens und die Herstellung der Kontakte zwischen Forschung, Lehre, Wirtschaft und Gesellschaft sowie die Erhöhung der Wertschöpfung in der Geophysik insbesondere zur Unterstützung des Wirtschaftsstandortes Österreich.

Internetseite der Tagung und ausführliches Tagungsprogramm: http://dgg2018.dgg-tagung.de

Deutsche Geophysikalische Gesellschaft: http://www.dgg-online.de

Österreichische Geophysikalische Gesellschaft: https://www.geophysik.at

Montanuniversität Leoben: https://www.unileoben.ac.at